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Löwenzahn — essbar von der Wurzel bis zur Blüte

Der Gewöhnliche Löwenzahn (Taraxacum officinale) ist eine der bekanntesten und am leichtesten zu bestimmenden Wildpflanzen — komplett essbar und traditionell als Bitterkraut geschätzt. Erkennungsmerkmale, Verwendung und worauf bei der Anwendung zu achten ist.

Kaum eine Wildpflanze ist so bekannt und gleichzeitig so unterschätzt wie der Gewöhnliche Löwenzahn (Taraxacum officinale). Er wächst auf Wiesen, an Wegrändern und in Gärten fast überall, ist leicht zu bestimmen und lässt sich von der Wurzel bis zur Blüte verwerten. Was heute oft als lästiges „Unkraut" ausgerissen wird, war über Jahrhunderte ein geschätztes Bitterkraut in Küche und Volksheilkunde.

Erkennen und Verwechseln

Löwenzahn bildet eine grundständige Blattrosette: Die länglichen, unregelmäßig gezähnten bis fiederteiligen Blätter wachsen direkt aus der Wurzel, ohne Stängel dazwischen. Aus der Rosettenmitte erhebt sich je Blütenkopf ein einzelner, unverzweigter, hohler Stängel ohne Blätter, der beim Anbrechen deutlich sichtbaren weißen Milchsaft austreten lässt. Die Blüte ist ein kräftig gelber Blütenkopf.

Vor der Blüte kann Löwenzahn mit anderen gelb blühenden Korbblütlern verwechselt werden, etwa Wiesenpippau, Ferkelkraut oder Wegwarte. Keine dieser Pflanzen ist giftig, sodass eine Verwechslung nicht gefährlich ist — für die sichere Bestimmung helfen trotzdem der hohle, blattlose, unverzweigte Stängel und der milchige Saft als eindeutige Merkmale. Sobald die charakteristische gelbe Blüte erscheint, ist Löwenzahn kaum noch zu verwechseln.

Verwendung in der Küche

  • Blätter: Junge Blätter aus der Rosettenmitte, am besten vor der Blüte geerntet, schmecken angenehm feinbitter und eignen sich für Salate, Smoothies, Pesto oder kurz gedünstet als Gemüse. Sie liefern nennenswerte Mengen an Vitamin C, Folat und Beta-Carotin.
  • Blüten: Die Blütenblätter lassen sich als essbare Dekoration verwenden oder zu Sirup („Löwenzahnhonig") einkochen — ein traditionelles, honigähnliches Süßungsmittel ganz ohne Bienenprodukt.
  • Wurzel: Geröstet und gemahlen dient die Wurzel als koffeinfreier Kaffee-Ersatz. Geerntet wird sie am kräftigsten im zeitigen Frühjahr oder im Herbst.

Traditionelle Anwendung

Löwenzahnkraut mit Wurzel wird von der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) im Rahmen des Ausschusses für pflanzliche Arzneimittel (HMPC) als traditionelles pflanzliches Arzneimittel geführt — überliefert zur Anwendung bei vorübergehender Appetitlosigkeit und bei leichten dyspeptischen (Verdauungs-)Beschwerden wie Völlegefühl und Blähungen, außerdem zur Erhöhung der Harnmenge im Rahmen einer Durchspülungstherapie. Verantwortlich dafür sind vor allem die namensgebenden Bitterstoffe (Sesquiterpenlactone) sowie weitere Inhaltsstoffe, die Appetit und Verdauungssekretion reflektorisch anregen können.

Wichtig: Diese Anwendung beruht ausschließlich auf langjähriger traditioneller Erfahrung, nicht auf Nachweisen aus kontrollierten klinischen Studien. Löwenzahn „hilft" hier nicht im Sinne eines belegten Heilmittels — er wird traditionell so eingesetzt.

Wichtige Hinweise

Wegen seiner galletreibenden Wirkung ist Löwenzahn nicht anzuwenden bei Verschluss der Gallenwege, bei vereiterter Gallenblase oder bei Darmverschluss. Bei bestehenden Gallensteinen sollte vor einer Löwenzahn-Kur unbedingt ärztlicher Rat eingeholt werden, da die anregende Wirkung auf den Gallenfluss im Ernstfall schmerzhafte Koliken auslösen kann.

Beim Sammeln gilt wie bei allen Wildkräutern: nur an sauberen Standorten abseits von stark befahrenen Straßen, gedüngten Flächen und häufig von Hunden frequentierten Wegen ernten.

Löwenzahn ist eine der zugänglichsten Wildpflanzen überhaupt — sicher zu erkennen und komplett essbar. Die traditionelle Anwendung als Bitterkraut ist gut überliefert, aber kein Ersatz für ärztlichen Rat bei bestehenden Gallenwegserkrankungen.

Quellen

  • AWL – Arbeitsgemeinschaft für wissenschaftliche Literatur zur Pflanzenheilkunde: Löwenzahn (Taraxacum officinale) – Verdauung, Galle & Harnwege. awl.ch (abgerufen 2026-08-13).
  • Bundeszentrum für Ernährung (BZfE) / kraut&rüben: Löwenzahn – Wildgemüse und Heilkraut ernten. krautundrueben.de (abgerufen 2026-08-13).
  • European Medicines Agency (EMA), HMPC: Community herbal monograph on Taraxacum officinale Weber ex Wigg., radix cum herba — traditionelle Anwendung bei Appetitlosigkeit und leichten dyspeptischen Beschwerden; Kontraindikation bei Verschluss der Gallenwege. ema.europa.eu (abgerufen 2026-08-13).
  • vitalstoffnavi.de: Löwenzahn – Nebenwirkungen, Wechselwirkungen, Gegenanzeigen. vitalstoffnavi.de (abgerufen 2026-08-13).